© Henning Ross

In 143 Tagen

KULTURKRAFTTAGE: Martin Stadtfeld (Klavier)

Auf einen Blick

MARTIN STADTFELD ÜBER DAS PROGRAMM DES ABENDS:

“Kann man nach Händel und Beethoven überhaupt noch Musik schreiben? Diese Frage stellte sich Johannes Brahms zeitlebens immer wieder. Und immer wieder gelang es ihm, Antworten zu finden auf das tönende Erbe der Vergangenheit. So auch in seinen herrlichen Variationen über ein Thema seines Heroen Georg Friedrich Händel. Für mich in seiner Vielschichtigkeit, im spielerischen und kreativen Umgang mit der Alten Musik, eines der großen Werke für das Klavier. Vielleicht immer noch etwas unterschätzt, weil nicht monumental. Man muss hineinhören, alles ist Spiel, Geist, Antwort und Experiment. So macht Musik Spaß.

Schuberts letzte Klaviersonate, geschrieben im Todesjahr des gerade 31jährigen ist eine Antwort der Herrlichkeit auf eine bleierne Zeit. In Metternichs Spitzelstaat war es mit Meinungsfreiheit und lebhafter Debatte nicht weit her. Da blieb nur der Weg ins Innere, die Sehnsucht nach einer besseren Welt und der Traum. Schubert entwirft Traumbilder, die uns zu uns selbst führen und die Auseinandersetzung mit unserem Innern ermöglichen. Es sind keine prozesshaften Werke wie bei Beethoven, sondern das Kreisen um einen Zustand. Der langsame Satz ist vielleicht das Schönste was je für Klavier geschrieben wurde. Nur Brahms langsamer Satz aus dem zweiten Klavierkonzert treibt mir beim Spielen ähnlich die Tränen in die Augen... Nach dem Spielen dieser Schubert Sonate fült man sich gereinigt, hoffnungsvoll, von neuer Kraft erfüllt. Um vielleicht an einer besseren Zukunft zu arbeiten.”

Martin Stadtfelds
Laufbahn begann mit einem Klavier vom Räumungsverkauf. Schon mit sieben Jahren steht sein Berufswunsch fest: Konzertpianist. Früh erkundet er die Regeln und Geheimnisse von Kontrapunkt und Harmonielehre; als Jungstudent kommt er in Frankfurt in die Klasse von Lev Natochenny. Es beginnt die Zeit, in der Stadtfeld bei Wettbewerben für Furore sorgt, er gewinnt Preise in Paris, in Bozen – und in Leipzig. Den dortigen Bach-Wettbewerb kann Martin Stadtfeld im Jahr 2002 als Gewinner des ersten Preises für sich entscheiden. Es ist dies eine Auszeichnung mit Symbol-Charakter. Denn die Musik von Johann Sebastian Bach ist für den Pianisten wie das Cape Canaveral der Musik.

Von hier aus führen alle Wege in den Kosmos der Musikgeschichte. Kein Wunder also, dass Stadtfelds erste CD-Aufnahme wie eine Rakete zündet: Ausgerechnet mit einem der heikelsten Werke der gesamten Klavierliteratur, mit Bachs „Goldberg-Variationen“, beginnt der 22-jährige Pianist seine Aufnahme-Karriere. Wie einst Glenn Gould – noch dazu beim selben Label. Das Presse-Echo ist weltweit groß und inzwischen ist Martin Stadtfeld heimisch auf den berühmten Konzertpodien der Welt und Gast bei den großen Orchestern und Festivals.

Trotz seines Erfolges hat Martin Stadtfeld sich nicht in ein Korsett zwängen lassen, geschnürt von den Gesetzen des Marktes. Vielmehr hat er sich seine Unverkrampftheit bewahrt, ob beim Üben im heimischen Klavier-Studio mitten im Ruhrgebiet, bei der Zusammenstellung von beziehungsreichen Konzertprogrammen, beim Arrangieren oder beim Komponieren eigener Werke. „Musik wirkt sehr unmittelbar auf uns Menschen. Einfache Harmonien können in jedem von uns etwas auslösen. Daher steht Musik für Menschlichkeit, für universelle Gefühle, wie Trost, Hoffnung, und sie steht auch für eine ständige Auseinandersetzung mit uns selbst.“

Von den Schätzen der Vergangenheit lernen und Neues daraus schöpfen: Martin Stadtfelds erstes Werk, seine Hommage to Bach (ein Zyklus der Auseinandersetzung mit Bach) sowie seine Handel Variations sind auf CD erschienen. Crescendo freut sich über die Händel Arrangements: „Was Martin Stadtfeld hier wagt ist einfach großartig.“ Passend zum Beethovenjahr 2020 erschienen nun auch die Aufnahmen Beethoven für Kinder sowie My Beethoven mit Lieblingswerken, Arrangements und Auszügen aus Sonaten.

Wie auch die CD schon andeutet, ist das Heranführen von Kindern und Jugendlichen an die klassische Musik für Martin Stadtfeld eine Herzensangelegenheit: „Die klassische Musik ist aus der Mitte der Gesellschaft an den Rand gedrängt worden. Wenn man Kinder befragt, was sie hören, so ist das ganz selbstverständlich die Pop-Musik. Selbstverständlich deswegen, weil vielfach schon ihre Eltern und auch Großeltern in ihrem Leben nie etwas anderes als populäre Musik gehört haben. Eine Begegnung mit der Welt der klassischen Musik hat also nie stattgefunden.“

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